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Noémie mit ihrem Fahrrad auf dem Weg von Regensburg nach Clermont-Ferrand.

Sechs Fahrradreifen haben Anfang Juni 2026 während einer kurzen Woche ihre Abdrücke auf den Straßen zwischen Regensburg und Clermont-Ferrand gelassen. Die ganze Strecke konnten wir aus Zeitgründen nicht fahren. Nichtsdestotrotz haben wir zusammen mehr als 700 km Abenteuer erlebt!

Am Anfang war das Fahrrad

Der „Ich-Erzähler“ bin ich, Noémie, eine Französin, die im September 2025 für ein zehnmonatiges FSJ im Studierendenwerk Niederbayern/Oberpfalz (STWNO) und im Institut für Romanistik der Uni Regensburg gelandet ist.

Im Rahmen meines FSJs durfte ich dieses Projekt auf die Beine stellen: von Regensburg aus mit dem Fahrrad nach Clermont-Ferrand mit anderen Studierenden fahren und dabei meine Liebe fürs Fahrradfahren, Biwakieren und die Berge teilen.

Nach mehreren langen Radreisen alleine hatte ich Lust auf eine neue Herausforderung: mit Unbekannten zu fahren und dabei ein Gleichgewicht innerhalb der Gruppe zu finden. Kurzgefasst: ein menschliches Abenteuer!

Vor der Reise: Kennen wir uns?

Noch nicht! Das gehörte zur Challenge... „Am schönsten finde ich, dass wir drei voller Mut und Offenheit in dieses Abenteuer gestartet sind. Wir kannten uns noch nicht wirklich,“ sagt Roby. „Insgesamt haben wir aber eine stabile Dreierkonstellation entwickelt und viel Zeit zu dritt verbracht und alle wichtigen Entscheidungen gemeinsam getroffen.“

Roby ist übrigens unsere Ornithologin, Tierliebhaberin, Badespezialistin und voller positiver Energie. „Sie hat super, super gut mitgefahren, obwohl ihr Rad teilweise Faxen gemacht hat. Trotz ihres Unfalls und einer kleinen Verletzung war sie immer gut drauf,“ erzählt Daniel. Dazu kommt, dass wir ohne sie nicht schlafen konnten: Sie trug unser sehr schweres Zelt. Ob dieses Zelt dicht ist oder nicht, wurde während einer gewittrigen Nacht an der französischen Grenze herausgefunden...

Daniel: „Ich würde sagen ich hatte oft die Rolle der Navigation und des Gemüseschneidens inne.“ Kann ich nur bestätigen… wohingegen ich vom Herumspielen mit dem Reisekocher nie müde wurde. Kulinarisch war Daniel auch für den ständigen Nachschub an Gummibärchen und anderen Zuckervorräten zuständig. Zudem war er unser Speedy Gonzales, der schneller fuhr als wir Mitfahrerinnen. Er war jedoch sehr rücksichtsvoll, sodass wir uns innerhalb des Trios aneinander anpassen konnten.

Zuletzt erklärt er: „Noémie war die Person, die alles koordiniert hat, die bestens vorbereitet war. Ich glaube ohne Noémie wären wir komplett aufgeschmissen gewesen. Und wir hätten ganz viele Sachen nicht so klar gehabt, weil sie ja schon erfahren mit Radreisen ist.“

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Zusammenfahren und Biwakieren

Ich war neugierig, wie sich unsere Gruppe entwickeln würde. Meine Befürchtung war deshalb, dass die Gruppe nicht ausgewogen ist bzw. dass eine der drei Personen weniger einbezogen wird oder sich sogar schlecht fühlt.

Roby: „Für mich war es ganz neu, so viele Tage hintereinander, so viele Kilometer mit dem Fahrrad und mit Gepäck zurückzulegen. Also generell eine längere Fahrradtour über mehrere Tage zu machen. Wobei ich auch noch nie ein Gebirge mit dem Fahrrad durchquert habe. Die extremen und vor allem auch langen Steigungen und aber auch die coolen Abfahrten waren ein besonderes neues Erlebnis für mich. Auch die Erfahrung, mit zwei Personen, die ich noch nicht gut kenne, spontan so eine Tour zu fahren, habe ich bisher noch nie gemacht und bin froh, es einfach gemacht zu haben.“

Bedenken vor der Reise hatte auch Daniel: „Ich hatte Angst, dass ich zu unvorbereitet war und nicht genug Klamotten dabeihabe. Da ich davor noch nie draußen geschlafen hatte, hatte ich auch Angst davor, keinen Biwakplatz zu finden.“

Genau Biwak, das ist es, was ich an solchen Reisen liebe. Die Stille, die Freiheit mit dem Radeln aufzuhören, oder zu wandern, wann man möchte. Und auch Robys Erklärungen über den Gesang und die (deutschen) Namen der Vögel um uns herum... und Daniel hat mir sie gezeichnet! Wie findet man eigentlich einen Biwakplatz in solchen dichtbevölkerten Regionen?

Daniel spricht über seine/unsere neuen Erfahrungen: „Einen Biwakplatz zu finden, ist gar nicht so leicht. Man muss verschiedene Sachen beachten: Der Untergrund. Man muss ein bisschen von der Straße weg sein. Man sollte an keinem Weg sein. Man sollte auch nicht inmitten des Waldes sein, weil da Äste herunterfallen können. Die Ortssuche fand ich erst ganz anstrengend, weil es schon schwer ist, etwas zu finden, aber irgendwann habe ich es auch genossen, weil es ein kleines Abenteuer ist, seinen Schlafplatz für die Nacht zu finden, der dann auch schön ist!“

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Gibt es auch Geschichten zu erzählen? Ja, ganz viele natürlich!

Wenn Sie, lieber Leser, bis hierhin alles gelesen haben: Bravo! Jetzt kommt vielleicht der spannendste Teil dieses Textes.

Nach den Badepausen in der Donau und im Bodensee an unseren ersten beiden Tagen in Deutschland und nach der Fahrt entlang der Lacs de Bienne und Neuchâtel in der Schweiz war es nun Zeit, auf französischen Straßen zu radeln. Die Touristeninformation in Neuchâtel schützte uns vor dem Gewitter, und unsere elektronischen Geräte konnten dort wieder aufgeladen werden. Dann war es soweit: Wir mussten von Neuchâtel aus nach La Chaux-de-Fonds hochfahren, im Juragebirge.

Roby: „Der vierte Reisetag, an dem der große Anstieg durch das Juragebirge vor uns lag, war für mich sehr besonders. Ich konnte mir nicht richtig vorstellen, wie wir das wohl schaffen werden, so eine lange und starke Steigung hochzufahren. Und dann fuhren wir sie einfach hinauf, in unserem Tempo, achteten aufeinander, motivierten uns gegenseitig, legten viele Pausen ein und schafften es am Abend des Tages trotz Regen und Sturmböen auf dem Gipfel des „Tête de Ran“ zu stehen und stolz auf unseren zurückgelegten Weg hinunterzublicken. Erschöpft und doch so zufrieden.“

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Ô douce France…

Die Rückkehr in mein Heimatland war nichts Besonderes, abgesehen von den zahlreichen Bäckereien, auch in kleinen Dörfern, die ich vermisst hatte. Auf dieser Seite der Grenze konnte ich auch meine Erfahrungen und Kenntnisse über Frankreich teilen. Daniel kannte das Land bereits, aber Roby war zum ersten Mal in Frankreich. Sie erzählt: „Ich werde wohl nie vergessen, wie ich die französische Grenze das erste Mal in meinem Leben überquert habe. Es war am Morgen nach einer kalten Gewitternacht. Da unser Zelt undicht war, wurden wir alle sehr nass und auch viele Teile unserer Kleidung. Viel schlafen konnten wir in dieser Nacht auch nicht. Dementsprechend war unsere Stimmung an diesem nebligen feuchten Morgen nicht wirklich erfreut. Und so radelte ich über die Grenze. Ziemlich erschöpft, durchnässt. Mir war kalt und trotzdem war ich glücklich und zufrieden, denn die Sonne kam hinter den Wolken hervor. Mit jedem Meter, den wir wieder aus dem Gebirge hinunterfuhren, wurde es wärmer und angenehmer und es erwartete uns ein schöner weiterer Reisetag.“

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Da das Juragebiet aber sehr schnell zu einem Regengebiet wurde, entschieden wir uns in Lons-le-Saunier, einen Zug zu nehmen, um dem Regen zu entfliehen.

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Daniel: „Am letzten Tag waren wir in der Früh in einer Bäckerei, in einem kleinen Dorf in Frankreich, und haben uns dort etwas zu essen gekauft. Dann haben wir uns das Dorf angeschaut und auch mit ein paar älteren Herren gesprochen, die auch mit dem Rad unterwegs waren. Wir haben uns neben die Kirche gesetzt und dann kam die Bäckerin raus und hat uns ein selbstgeschmiertes Baguette mit Erdbeermarmelade geschenkt, was super süß war! Und das hat mich einfach sehr gefreut, Nettigkeit, Warmherzigkeit und Gesten von anderen Menschen zu erfahren. Das fand ich richtig schön.“

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Bald waren wir in Clermont-Ferrand und mussten Kartons abholen und schleppen, damit der Bus der STWNO-Mitarbeiter, die für den deutsch-französischen Mitarbeiteraustausch nach Clermont-Ferrand fuhren, unsere in Kartons verpackten Räder wieder nach Regensburg zurücknehmen konnte. Alle unsere Pedale weigerten sich jedoch, sich abmontieren zu lassen! Kein Problem, wir fuhren zu einer Fahrrad-Selbsthilfewerkstatt, bevor wir uns die Stadt noch anschauten und bei einer Freundin schliefen.

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Nach 700 km, the End…?

Roby fasst das Erlebnis zusammen: „Wir kannten uns noch nicht wirklich gut und haben verschiedene Erwartungen und auch kleine Sorgen mitgebracht, aber wir wussten: Wir haben ein gemeinsames Ziel und hatten es während der Tour immer vor Augen. Wir wollen gemeinsam Clermont-Ferrand erreichen. Und das haben wir nun geschafft, trotz Regen, Gewitter, großer Steigungen, Kälte, Nässe, Stürzen, einer verstellter Schaltung, abgefahrenen Bremsen, einem platten Reifen und vielen weiteren kleinen Hürden, die uns Schwierigkeiten bereiteten.“

Eines ist sicher: Diese Reise werde ich nicht vergessen…
…und bald ist mein FSJ schon vorbei. Ich werde mich von Regensburg verabschieden müssen und auf der anderen Seite des Rheines zurückkehren. Bis zum nächsten Mal!

Titelbild

Eindrücke unserer Reise

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